Liebe Freunde des solidarischen Zusammenlebens
Eigentlich habe ich mir vorgenommen, die Klappe zu halten. Insbesondere Klappe halten betreffend dem Verhalten derjenigen, die allem Anschein nach schwerhörig sind oder nur den Blick lesen können. Diese Bevölkerungsgruppe geniesst gerade die grösste Aufmerksamkeit. Das nervt. Und das möchte ich ansprechen.
Heute muss ich es loswerden, bevor ich jemandem an die Gurgel hüpfe, dem ich beim emsigen Notvorräte anschaffen zuschauen muss. An die Gurgel hüpfen übertritt ja derzeit die erlaubte Distanz zu unseren Mitmenschen, von daher haue ich lieber einfach mal ordentlich in die Tasten und erlaube mir, mich dazu zu äussern.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Ich verstehe die Besorgnis. Auch mir beschert die momentane Situation Kopfzerbrechen und Bauchschmerzen. Wir alle sind betroffen, manche mehr und manche weniger. Wir alle kriegen die Situation wohl oder übel zu spüren, sei das wirtschaftlich oder im schlimmsten Fall sogar gesundheitlich. Man kann sagen, etwas faires, das der Virus mitbringt: Für einmal sitzen wir alle im selben Boot, und zwar wirklich alle.
Gerade in solchen Momenten erhofft man sich nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern auch zwischenmenschliche Solidarität und Vertrauen. In solchen “Ausnahmesituationen” kann Nächstenliebe zum Fremdwort werden, was mir persönlich mehr Angst macht als der Virus. Ich bin mir sicher, es ist die Minderheit. Aber leider nimmt genau diese Minderheit zu sehr Überhand. Hier spaltet sich die Gesellschaft.
Für mich ist klar, ich will diesen Stillstand nutzen. Ich möchte mir wieder einmal über unser Konsumverhalten bewusst werden und über Nächstenliebe nachdenken, ohne zu wissen, was in ein paar Woche ist. Einfach mal Pause drücken vom eifrigen Alltag und durchatmen in den sicheren, eigenen vier Wänden.
Es gibt schlimmere “Ausnahmesituationen” als wir sie gerade erleben. Es gibt Krieg, Naturkatastrophen, in dieser Minute Millionen von Menschen auf der Flucht, die alles verloren haben und keinen Notvorrat anlegen können, weil es dazu weder die Mittel gibt, noch einen Ort, den man Zuhause nennen kann. Die besagte westliche Minderheit hier flippt gerade komplett aus, kauft die Supermärkte leer und zeitgleich beklagen sie sich, dass sie das Zuhause bei diesem wunderschönen Frühlingswetter nicht verlassen sollen. Sie kaufen einen übertriebenen Notvorrat an Toilettenpapier, während Millionen von Menschen weltweit ihren Allerwertesten auch mit Wasser abwaschen können. Das kannst auch du und es ist übrigens sowieso hygienischer. Was ist das für eine verkehrte Welt? Manchmal fällt es mir schwer, mich darin wohlzufühlen.
Ich hoffe sehr, dass sich mit der momentanen Situation nachhaltig auch etwas an unsere Denkweise ändern wird. Lasst uns einfach mal Pause drücken und darüber nachdenken.
Und noch ein paar persönliche Worte an alle lieben Schweizer Mamis und Papis da draussen…
Ich bin Mama. Man hat gewisse vertraute Produkte gern im Haus, um sein Kind zu versorgen. Das weiss ich. Ob das Windeln sind, Windeleinlagen, oder Babynahrung, what so ever. Ich würde behaupten, wir sind flexible genug, auch mal auf alternative Produkte auszuweichen. Ich kann meinem Kind auch mal anders s Füdli putzen als bisher, mit Wasser zum Beispiel. Höhö. Darum geht es mir hier gar nicht. Was mich hier enorm stört sind die Superhamster unter uns, die jetzt meinen, einen Vorrat an Windeln und Windeleinlagen anschaffen zu müssen, bis das Kind aus der Schule ist. Was soll das? Es ist NICHT nötig. Es gibt genug für alle. Es kann sich übrigens auch nicht jeder leisten einen Vorrat anzulegen, der bis zur Pubertät reicht, oder es fehlt schlicht und einfach der Stauraum dafür. Kauft doch nicht Windeln, die ihr mal euren Kindern vererbt, wenn ihr Grosseltern werdet… Meine Güte. Ich grinse grad selbst.
Lasst uns die Situation gemeinsam ausharren. Und gemeinsam fair bleiben!
