Kolumne Brienz Info Ausgabe Juli 2017

Der Tod eines geliebten Menschen ist etwas, das wir nicht fassen können
Etwas, das unverständlich ist und uns am Sinn des Lebens zweifeln lässt. Warum? Warum denn gerade jetzt? Ich bin dazu nicht bereit… Fragen über Fragen, Verzweiflung und Ängste häufen sich nach dem Todesfall eines nahestehenden Menschen. Die Zeit und damit die ganze Welt scheint für einen Moment still zu stehen. Egal, ob ein Tod absehbar war oder nicht, der Versuch zu akzeptieren und das schlussendliche realisieren, dass wir diesem Menschen nie wieder begegnen werden, nie wieder Erlebtes austauschen und gemeinsam lachen und weinen können, reisst uns abrupt aus dem Alltag.
In unserer Gesellschaft ist das Leben etwas Selbstverständliches, der Tod jedoch ist etwas Aussergewöhnliches. Wir lieben unsere Nächsten, wir verbringen gerne Zeit mit ihnen, doch der Vorstellung, dass sie plötzlich nicht mehr da sein könnten, gehen wir gekonnt aus dem Weg: Ein Schutzmechanismus, der psychisch als auch physisch durchaus erklärbar und nachvollziehbar ist. Doch dann plötzlich kommt der Moment, in dem es Realität wird. Der Tod steht vor der Tür, manchmal unangemeldet und mit voller Wucht zerrt er uns für eine Weile aus unserer Komfortzone. Die Herausforderung ist dann, sich den vielen unangenehmen Fragen zu stellen und den Sinn des Lebens für einen Moment genauer zu hinterfragen.
Der Lauf des Lebens stoppt nicht mit dem Tod eines nahestehenden Menschen. Obwohl einem die Melancholie fast erdrückt und manchmal in die Knie zwingt, leben wir weiter. Jeden Tag gehen wir unseren Verpflichtungen nach. Wir kümmern uns um unsere Nächsten und fangen womöglich sogar an, Momente intensiver wertzuschätzen; das Leben zu schätzen!
Für mich ist das Leben ist eine Reise. Wir starten sie unwissend und wach, wir enden sie wissend und müde. Steile, fast unbezwingbare Hügel, prassender Regen und eisige Kälte machen diese Reise manchmal schwer. Doch mit jeder schweren Zeit werden wir stärker und schätzen dafür Sonnenstrahlen und einen ebenen Weg umso mehr. Jeder Mensch macht eine eigene Reise und somit ist jede Reise einzigartig und auf ihre Art und Weise gestaltet sie eine individuelle Geschichte. Der Kreislauf des Lebens, oder salopp ausgedrückt, der Wille der Natur, beendet diese Reise und hinterlässt Spuren für die Hinterbliebenen.
Für mich soll der Tod nicht nur negativ besetzt sein. Ich will den Tod auch positiv ansehen. Ich will an alle Momente mit diesem Menschen denken, die mich ihm näher brachten. An alle Momente, bei denen ich das Gefühl hatte, wir sind die einzigen Menschen auf der Welt, wenn wir umgeben von duftenden Blumen im Garten sassen, Süssgetränke schlürften und “Güetzi” knabberten. Ich will an die Liebe denken, die wir uns gegenseitig geschenkt haben. An die Wertschätzung, die wir stets in uns trugen und uns gerne zeigten. Ich denke aber auch an die nervenaufreibenden, anstrengenden bis hin zu den traurigen Momenten, denn keine Beziehung zwischen zwei Menschen ist perfekt.
Ich widme diese Gedanken und Worte meiner lieben Grossmutter, die mich in meinem Leben sehr geprägt, liebevoll unterstützt und begleitet hat. Ich bin dankbar für jeden Moment, den ich mit ihr verbringen durfte und glücklich über alle Erinnerungen, die uns für immer verbinden. Diese Kolumne wurde verfasst beim Süssgetränke schlürfen und “Güetzi” knabbern… Du fehlst!
