Moshi und die gestreiften Strassen

Der Zebrastreifen, was für eine tolle Erfindung!

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Man könnte eventuell erwarten, dass ich heute von wunderbaren schwarz-weiss-gestreiften Kreaturen erzähle, die unter anderem in Tansania’s Nationalparks sehr verbreitet sind. Muss euch leider enttäuschen. Ich erzähle von ganz normalen Streifen auf einer Strasse, worüber sich der Fussgänger mit Vortritt bewegen darf: Die Zebrastreifen. In Moshi Stadt gibt es keine richtigen Zebras, obwohl das jeglicher Erwartung vieler widerspricht. „Afrika, da gibts ÜBERALL Wildtiere!!“ Das Wildeste was ich in der Stadt Moshi bisher gesehen habe war eine Schnecke von etwa fünfzehn Zentimetern Länge in meinem Garten. Verrückt! Wir haben sie Fridolin getauft. Fridolin hat sich leider nach ein paar Tagen aus dem Staub gemacht, sehr langsam aber erschreckend zielstrebig.

Nun gut, zurück von der Schnecke Fridolin zu den Zebrastreifen. In Tansanias Grossstädten sind sie bereits lange verbreitet und werden auch mehr oder weniger konsequent genutzt. Verkehrsregeln hier werden definitiv nicht so streng beachtet. Wenn man bedenkt, dass ich gerade mal vier Fahrstunden absolviert habe, und die Prüfung nicht einmal angehen musste, ist es nicht erstaunlich, dass teilweise Fahrkünste etwas zu wünschen übriglassen. In den vier Fahrstunden wurde jedenfalls nie der Zebrastreifen erwähnt. Glaube ich jedenfalls. Ausser der Fahrlehrer hat es in Swahili genannt, dann wäre ich ja entschuldigt, oder?

Wie man merkt ist das Erlangen eines Führerscheins in Tansania relativ simpel, oder ich hatte einfach Glück. Eine lustige Geschichte, die ich wohl auch gerne noch meinen Grosskindern erzählen werde. Aber erstmal euch.

Als ich entschied, für eine längere Zeit nach Tansania zurückzukommen war für mich klar, dass ich ein Auto haben möchte um etwas unabhängiger und frei zu sein von überteuerten Taxifahrten. Da ich noch gar keinen Führerschein in der Schweiz habe, bedeutete das eine erstes Projekt gleich nach meiner Rückkehr. Polizei, Freund und Helfer (in Tansania nicht immer), stand mir jedenfalls gut zur Seite: Der nette Polizeibeamte erklärte mir den Ablauf, der sich sehr simpel anhörte: „Finde eine Fahrschule, absolviere einige Fahrstunden, komm mit dem Fahrschuldiplom zu uns und melde dich an für die Prüfung. Nach bestanderer praktischer Prüfung bekommst du deinen Führerschein.“ Ein Kinderspiel!

Die erste Fahrstunde war ein Graus. Moshis Strassen sind chaotisch und sehr befahren mit allen möglichen Fahrzeugen. Noch heute sticht mir manchmal noch ein Vehikel ins Auge wo ich mir denke „Zählt das überhaupt noch als Fahrzeug?“. Wie auch immer, der Fahrlehrer, der kaum Englisch sprach, setzte mich erstmal in ein uraltes ehemaliges klappriges Taxiauto mit manueller Gangschaltung. Na prächtig! Ich fragte ihn freundlich und mit dem schlechtesten Swahili der Welt, ob wir denn nicht etwas ausserhalb des dichten Stadtverkehrs anfangen könnten. Er setzte sich gelassen auf den Beifahrersitz und ignorierte mich sehr gekonnt. Da ich für den ganzen Spass ja bereits bezahlt hatte, wollte ich nicht so leicht aufgeben und setzte mich mit einem Herzklopfen auf den Fahrersitz, den bestimmt die Zebras in Tansanias Nationalparks aufschreckte. Bis heute frage ich mich, wie wir diese erste Fahrstunde überlebten. Es folgten drei weitere Fahrstunden, immer die gleiche Runde, ohne viele Worte. Unsicher, ob ich stolz auf das Fahrschuldiplom sein soll, ging ich damit zurück zum netten Polizeibeamten, der gerade in einer grösseren Runde sein Mittagessen verspeiste. Wie das in Tansania so ist, wird man sofort eingeladen und aufgefordert, sich dazuzusetzen. Vom vielen Adrenalin der Fahrstunden hatte ich tatsächlich ein Hüngerchen und gesellte mich in die Runde. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal über eine Polizeirunde in Tansania sagen kann, aber es war ganz erträglich. Nach den Gesprächen über Gott und die Welt und was meine Wenigkeit so anstellt den ganzen Tag, kamen wir dann wieder zum eigentlichen Geschäft: der Fahrprüfung. Der Beamte kramte irgendein Formular aus dem sehr chaotischen Büroschrank, kritzelte unleserlich darauf herum, knallte den Stempel auf seine Unterschrift und legte mir das Papier vor die Nase. Ich schaute es mir an und konnte knapp leserlich entziffern „Passed the driving test“.

Hä? Hab ich etwas verpasst?

Ich hätte ja auch einfach „Danke, Tschüss und auf Nimmerwiedersehen“ sagen können aber irgendwie kam dann doch meine verrückte Schweizer Korrektheit zum Vorschein und ich wies ihn freundlich darauf hin, dass wir doch noch gar keine Prüfung gemacht haben. Er antwortete, ich sei ein guter Mensch und dass er mich mag. Ich soll doch mal eine Soda vorbeibringen. Dann sollte da eigentlich „Passed the driving test with being nice at the lunch table and bringing in soda for police officer on another day“ festgehalten sein.

Gerade mal eine Woche später holte ich den fertigen Führerschein ab. Ein Kinderspiel! Während ich nun diese Geschichte aufschreibe fällt mir zudem auf, dass ich dem armen Kerl immer noch keine Soda vorbeigebracht habe. Shame on me! Aber hey, there is no hurry in Africa. Er wird es wohl auch noch nach zweieinhalb Jahren gerne entgegennehmen.

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Nun aber zurück von Fridolin und meinen Fahrkünsten zu den Zebrastreifen.

Ich war gerade mal zwei Monate in der Schweiz im Frühjahr 2018 und als ich zurückkam, hat sich doch tatsächlich der Strassenverkehr in Moshi merklich verändert. Zebrastreifen! Überall sind sie! Neu gestrichen und voll im Einsatz. Jedenfalls von den Fussgängern. Als ob es ein neues Gesetz wäre, jetzt schauen die Fussgänger weder rechts noch links, sie laufen einfach. Zum Schrecken vieler Autofahrer.

Aus dem Nichts kann nun plötzlich ein Jemand über die Strasse laufen, ohne dass man sie oder ihn erwartet. Unheimlich! Nun stellt euch vor nachts, stockdunkel da keine Strassenlaternen und Zebrastreifen nur schwer erkennbar, läuft plötzlich eine Gestalt ohne auch nur kurz zu prüfen, ob ein Auto kommt, vor deine Motorhaube. UNHEIMLICH!

Mein armes kleines Auto, das übrigens Blue Giant heisst, musste seit meiner Rückkehr schon einige Vollbremser vor Zebrastreifen durchstehen. Was ich dann irgendwann realisierte war, dass die Autofahrer nun vor jedem Zebrastreifen anhalten, ungeachtet dessen, dass weit und breit kein Fussgänger zu sehen ist.

Blue Giant und ich müssen da wohl auch mal über die Bücher… Prüfung der Bremsen definitiv das nächste Projekt. Und ach, die Soda… die Soda!

 

 

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