Die Geschichte über die Geburt unserer Tochter Ayana und eine Liebenserklärung an meine Heldin – Mama!

69518965_613189615875090_78991913226600448_n

Dutzende habe ich mir angesehen und durchgelesen: Die berühmt berüchtigten Geburtsberichte. Ob es mir geholfen hat? Well, it scared the hell out of me!

Vielleicht habe ich die falschen Berichte erwischt, who knows. Grundsätzlich glaube ich, dass diese Berichte der Autorin dazu dienen, das unglaublich intensive Erlebnis einer Geburt zu verarbeiten. Und da hat natürlich jede Frau das Recht dazu. Ich mache es jetzt auch und hoffe, dass ich die eine oder andere Mami zum Schmunzeln bringen kann und hoffentlich keine Schwangere zum Weinen. Somit ein grosses PS vor dem Ende des Textes an alle Schwangeren da draussen: Lasst euch nicht zu sehr von den Berichten inspirieren, jede Geburt ist individuell und einzigartig, jede Frau empfindet anders. Und es kommt sowieso anders als gedacht…

Der errechnete Geburtstermin rückte näher, die Ungeduld und Vorfreude stieg, das Ungewisse plagte. Oh, und der Körper wurde unausstehlich. Meine Elefantenfüsse wurden zur Attraktion, meine Gelenke zu Gummi. Einen Tag vor der Geburt war ich körperlich und emotional so am Ende, dass ich am liebsten den Erfinder des Kinderkriegens angerufen hätte und ihm laut und deutlich gesagt er sei ein Idiot. Da die Telefonleitung leider überlastet war (wundert ja auch niemanden) habe ich mich dann doch entschieden den Lauf der Dinge der Natur zu überlassen. Früh ging es für mich zu Bett und ich hatte wohl seit langem keine so erholsame Nacht mehr wie diese…

Frühmorgens im Hause meiner Eltern nach besagter erholsamer Nacht wachte ich am 1. Mai 2019 auf und spürte wie sie platzt. Die Fruchtblase. Was für ein merkwürdiges Gefühl. Eilig rannte ich zur Toilette und informierte auf dem Weg dorthin meinen verschlafenen Papa, der gerade seinen ersten Kaffee des Tages genoss. Ihm fiel fast die Tasse aus der Hand, sofort weckte er meine Mama, die das Land der Träume ziemlich eilig verlassen musste.

Da waren wir nun alle drei, verschlafen, etwas verwirrt und aufgeregt wie noch selten zuvor und fragten uns „Und jetzt?“. Brav nach Lehrbruch rief ich im Spital an und erkundigte mich wie weiter. Die nette Hebamme am Telefon meinte da sei noch kein Grund zur Eile, ich könne noch gemütlich frühstücken und mich dann mal in Ruhe auf den Weg machen. Lieb gemeint, aber Appetit verspürte ich ehrlich gesagt in diesem Moment nicht. Somit entschied ich mich für eine warme Dusche, welche ich 5 Minuten später bereute. Hallo Wehen. Intensive, schnell-wiederkehrende Wehen. Holla die Waldfee, das sind ja Wehen im-10-Minuten-Takt!

Mama und ich entschlossen uns dann, das Haus zeitig und doch mit etwas Eile zu verlassen und uns in Richtung Spital zu begeben. Eine Geburt auf dem Rücksitz meines kleinen schwarzen Honda Jazz, der übrigens Black Pearl heisst, war nicht unbedingt, was ich mir in diesem Moment wünschte. Die Black Pearl brachte uns schnell und sicher ins Spital, ich bereits etwas jammernd auf dem Rücksitz.

In der Geburtenabteilung angekommen, dank der netten Wegbeschreibung der Rezeptionistin auf meine Frage „Ich bekomme ein Kind, wo muss ich hin?“, wurden wir sehr nett begrüsst und mir wurde auch schon meine Hebamme vorgestellt, ein netter Mann, schätzungsweise Mitte Dreissig. Mir war es tatsächlich äusserst sympathisch einen männlichen Geburtshelfer an der Seite zu haben. Ist mal etwas Anderes. Durch die ganze Schwangerschaft konnte ich meine Erfahrungen und Gefühle meist nur mit anderen Frauen teilen, endlich auch mal mit dem anderen Geschlecht, und dann noch mit einem, der mich versteht… Grandios! Seine ruhige Art fand ich vorerst etwas irritierend, aber somit war auch sofort klar, wie viel Erfahrung er mitbrachte. Später war ich dankbar dafür.

Wir wurden zuerst in den Untersuchungsraum geführt, wo ein grosses Poster an der Wand hing, mit einer Gebärmutter und ein riesiges Baby abgebildet, das sich wohl gerade auf den Weg in die Welt ausserhalb seiner Komfortzone machte. Halleluja, die Vorstellung, dass Ayana so gross ist und ich sie irgendwie durch meinen Geburtskanal pressen sollte, verschaffte mir dann doch etwas feuchte Hände. Auch der Fakt, dass wir erst bei den Anfangswehen sind, machte das Ganze nicht besser und meine Hände nicht trockener. Die Untersuchungen zeigten, Ayana und mir ging es bestens, die Wehen wurden aber rasant intensiver, sodass wir beschlossen, uns bereits in den Gebärsaal zu begeben. Ich wünschte mir eine Wassergeburt. Mein Wunsch wurde Befehl, die Wanne wurde vorbereitet und meine tapfere Mama und ich schlürften langsam rüber zum Gebärsaal.

Die Wehen wurden stärker, meine Laune schlechter, aber die Hebamme immer sympathischer. Brachte mir doch der nette Mann Schokolade und Orangensaft zur Badewanne. Zudem brachte er eine Schmerzpumpe mit einer ordentlichen Ladung Opioid und einer Portion wehenhemmendes Zaubermittel. Was ein toller Mann. Ich hatte also wirklich nichts zu beklagen. Eine kurze Pause von den intensiven Schmerzen tat wirklich gut und auch wenn ich jetzt eine Mama mit Vorbildfunktion bin sage ich es trotzdem: Wow, diese Schmerzpumpe hatte es in sich! Ich war kurzum etwas beduselt und entspannter als wohl je zuvor in meinem Leben. Man, tat das gut! Mein Freund in Tansania war etwas irritiert als ich ihn lachend und total überdreht anrief und mitteilte, dass unsere Tochter auf dem Weg ist und das alles aber gaaar kein Problem sei. „Ich rufe dann wieder an, wenn sie da ist. Tschüüüüss“ – diese Info gefolgt von einem merkwürdigen Lachanfall. Armer Kerl!

Dieser Glücksmoment war dann aber schnell wieder vorbei. Nahmen die mir doch meine neue beste Freundin, die Pumpe, weg. Frechheit! Grund dafür war eine Blockade meinerseits. Die totale Krise machte sich breit als die Presswehen begannen und ein Gefühl von „Ich schaffe das nicht“ mit einer ordentlichen Priese „Ich glaube ich sterbe!“. Aufgrund dieser Konstellation in der Wanne war es der Hebamme nicht mehr möglich, mich zu untersuchen und Ayanas Situation zu überprüfen. Somit wurde geraten, raus aus der Wanne, ab auf den Schragen. Da ich nun wirklich keine Expertin bin in Sachen Geburt, verliess ich die Wanne etwas schweren Herzens. So sehr ich mir eine Wassergeburt wünschte, war es nun nicht möglich. Es kommt eben meist anders als man denkt…

Ayana verweilte nun schon etwas zu lange im Geburtskanal, somit mussten wir aktiver werden. Mit Übungen. Auf einer Yogamatte. Im Nachhinein schmunzle ich beim Gedanken an das Bild mit der Hebamme, meiner Mama und ich auf dieser Yogamatte beim Rumturnen. In dem Moment fühlte es sich aber an wie ein Kampf ums Überleben.

Meine Blockade lockerte sich nicht, ich verkrampfte mich immer mehr und wollte immer weniger gebären. Ich kann mich gut in Sachen reinsteigern, aber dass ich es so gut kann wusste ich bis dato nicht. Dann kam der Moment, den es wohl brauchte: die Hebamme wurde streng und deutlich. Ich gehorchte. Mit aller Kraft, der Hilfe meiner Mama und einem letzten Urschrei war sie dann endlich da, unser wunderschöner kleiner Engel Ayana! Ein Gefühl, dass wohl niemand wirklich beschreiben kann. Aber erstmal überkam mich ein riesengrosses Gefühl der Erleichterung, dass wir es gemeinsam geschafft haben, und wir beide wohlauf sind. Sofort wurde sie mir auf die Brust gelegt, dieses kleine wunderschöne Geschöpf. Ein Moment, den ich niemals vergessen werde. Sie steckte ihren Miniatur-Daumen sofort in den Mund und schlief ein. Und so begann unser gemeinsamer Weg…

Diese Zeilen beschreiben längst nicht alle Gefühle und Emotionen dieser Geburt. Doch ich verfasse sie in Erinnerung an den intensivsten, lebensverändernden Tag den ich bislang erleben durfte. An einen Tag an dem ich Mama werden durfte mit Hilfe meiner Mama. An jenem Tag wurde meine Mama zu meiner Heldin, meinem Vorbild und meiner vertrautesten Person. Mit ihr teilte ich das Wunder des Lebens. Diese unglaubliche Stärke, die sie an jenem Tag zum Vorschein brachte, überwältigt mich noch heute. Als Mutter mit dem eigenen Kind an solche menschlichen Grenzen zu gehen, bedeutet für mich unendliche Liebe.

Danke, dass du mich so bedingungslos liebst. Danke, dass ich dir so sehr vertrauen kann. Es ist das grösste Geschenk. Ein Geschenk, das ich Ayana weiterreichen will, damit es nicht verloren geht.

Danke Mama!

Hinterlasse einen Kommentar

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close