21 Tage ohne schimpfen – Herausforderung angenommen!

Diversen Studien berichten, dass Kinder im Durchschnitt alle drei bis neun Minuten (!) zurechtgewiesen, beschimpft und/oder bestraft werden.

Als ich das erfuhr, blieb mir wortwörtlich das nächste “Schimpfis” im Hals stecken. 

Bis heute. Der kleine, sehr wütender Brüllaffe in der Autonomiephase strapaziert meine Geduld und Nerven über, ich wurde ebenso wütend, laut und das “Schimpfis” entfleuchte so schnell meinem Munde, ich konnte alles andere als tief durchatmen und bis zehn zählen. Es war eher Schnappatmung und bis eineinhalb gezählt. Es kam zum Konflikt. Einer dieser Art, bei dem sich danach alle involvierten Parteien so richtig (sorry) scheisse fühlen. Inklusive Nachbarn. Für alle anderen kann ich nicht sprechen, für mich endet es immer in enormen Schuldgefühlen und Selbstzweifel. Und noch mehr Stress. Ein Teufelskreis.

Dank der Müdigkeit (ich hätte nie gedacht, dass ich DAS einmal sage), hatte ich keine Kraft und auch keine Lust meine letzte Energie des Tages dafür zu investieren. Ich teilte ihr so nett wie möglich unter Schnappatmung mit, dass ich das jetzt nicht ertrage und ich raus an die frische Luft gehe. Der arme Papa, wie so oft eingeklemmt zwischen zwei emotionalen Streithennen, übernahm die Situation und ich machte mich aus dem Staub. Beim Rausgehen schnappte ich mir noch ein Buch von Nicola Schmidt „Erziehen ohne Schimpfen“ aus dem verstaubten Bücherregal und brauste davon. Ich atmete tief ein und aus. Während der gesamten Autofahrt. Mehr als zehn Sekunden. 

Am See, wo ich am besten nachdenken kann, setzte ich mich auf eine Sitzbank und vertiefte mich auf ein Neues in das Buch. Mit dem festen Willen erst nach Hause zu gehen, wenn ich für mich eine passende neue Lösungsstrategie gefunden habe, wie es A. zukünftig das “Schimpfis” nicht einmal mehr bis in meinen Rachenbereich schafft und B. Ich auch nicht mehr die Flucht ergreifen muss. Schimpfen und Abhauen oder noch schlimmer beides, ist nun wirklich nicht die Art von Reaktion, die ich vorleben möchte. 

Vor der Lösungsstrategie kamen erstmal wieder viele fiese Selbsterkenntnisse. 

“Mein Kind spiegelt mich.”

Oft erlebe ich meinen Alltag als sehr herausfordernd mit allem, was ich versuche unter einen Hut zu bringen ( Ja, es könnte weniger sein, es scheitert oft an der Einsicht). Im Extremfall entwickelt sich eine Überforderung, was in einem hohen Level an Stress endet. Unter Stress funktioniert kein Mensch so, wie er es wohl gerne würde. Wir verfallen in Muster, die wir eigentlich gar nicht möchten und vor allem nicht brauchen. Wir reagieren also komplett ineffizient und schaden nicht nur uns selbst, sondern auch unseren Mitmenschen.

Es ist durchaus bekannt, wie feinfühlig Kinder sind. Offensichtlich färbt Stress sehr auf Kinder ab, sie werden zum Spiegel. Obschon es einfacher ist davon auszugehen, dass der kleine wütende Brüllaffe halt einfach Grenzen austestet und mich absichtlich provozieren will, glaube ich inzwischen nicht mehr daran. Wenn dem so wäre, könnte sie sich ja auch einfach selbst wieder beruhigen, wenn der Wutanfall Überhand gewinnt. Das kann sie aber (noch) nicht. Kinder brauchen anderen Menschen, die ihnen vorleben, wie sie sich beruhigen können. Das geschieht keinesfalls mit Schimpfen oder Abhauen, denn damit steigern wir die Wut und die Beruhigung verabschiedet sich beidseitig in die weite Ferne. Was Kinder brauchen, und wir vielleicht manchmal auch, ist Halt und Trost, oder einfach Da-Sein. Wir können es mit unseren Kindern lernen.

Erziehen ohne Schimpfen

Nicola Schmidt spricht in ihrem Buch „Erziehen ohne Schimpfen“ von drei Bereichen, wie wir auf unsere jungen Mitmenschen in Konfliktsituationen reagieren: 

Im grünen Bereich reagieren wir empathisch, offen und entspannt. Wir schauen erstmal, was überhaupt passiert ist und verschaffen uns einen Überblick. Das Erwachsenen-Ich in uns, und somit ein Bereich, den ich mehr anstrebe. Als emotionaler Haufen eine Herausforderung, ich sag’s euch! 

Im gelben Bereich sind wir schon recht genervt, haben uns aber noch im Griff. Die „Schimpfis“ steckt noch im Hals. Wir bleiben noch in Kontakt mit den Kindern. 

Im roten Bereich verlieren wir komplett die Beherrschung. Wir wirken einschüchternd und bedrohlich, wir machen den Kindern Angst. Unter Angst kann niemand lernen. Die Kinder reagieren darauf mit einem Gehorchen, jedoch nicht mit einer Kooperation. Es ist also der Pfui-Bereich, ohne Kontakt zum Kind. Den Bereich, den ich meiden will. 

Es fühlt sich oftmals so an, als wären wir von 0 auf 100 im roten Bereich. “Noch war doch alles gut, ich explodierte wie aus dem Nichts!”. Das ist jedoch nie der Fall. Wir kommen nie direkt vom grünen in den roten Bereich. Hier lohnt es sich, den momentanen Zustand ab und an mal anzuschauen und zu erkennen, wo wir uns gerade befinde. Wenn es also bereits im gelben Bereich ist, sollten wir genauer hinschauen und wenn möglich, mit Mitteln die uns gut tun, den Stress reduzieren. Damit können wir womöglich eine Eskalation im roten Bereich vermeiden. 

Alright. Etwas Theorie. Schön und gut. Aber wie setze ich das nun um? 

Die „21 Tage ohne Schimpfen“ – Challenge 

In meiner Kindheit haben meine Eltern einen wunderbaren Grundstein etabliert und gelegt für eine liebevolle und verständnisvolle Begleitung. Den gilt es für mich zu pflegen und noch mehr in Form zu bringen.

It‘s a life mission.

Im letzten Kapitel ihres Buches ruft Nicola Schmidt zu einer Challenge auf: Die 21 Tage (oder welchen Wert auch immer individuell passend ist) ohne Schimpfen Challenge. 

Ich liebe Herausforderungen. Und bin fast schon peinlich stolz, wenn ich etwas erreicht habe, das ich mir fest vornahm. Also nehme ich diese Herausforderung an. 

Meine Strategie? Verrate ich euch, wenn die 21 Tage vorbei sind.

Ein kleiner Tipp: Hat viel mit Humor zu tun. Was ja, wie wir bereits wissen, in jedem Fall eine gute Überlebensstrategie ist.

Ziel dieser Herausforderung ist für mich natürlich, das dann soweit in den Alltag mit meiner Tochter zu integrieren und für mich zu verinnerlichen, dass wir Schimpfen irgendwann ganz aus der Tagesordnung streichen können.

Challenge accepted!

Quelle: “Erziehen ohne Schimpfen” von Nicola Schmidt 

Nicola Schmidt ist eine meiner Lieblingsautorinnen, wenn es um das Thema artgerechte Begleitung von Kindern geht. Vieles in diesem Gedankenpost entnahm ich ihrem Buch “Erziehen ohne Schimpfen” (Keine bezahlte Werbung. Hihi, jetzt fühle ich mich wie eine echte Influenzerin). Kombiniert ist das Gelernte mit fieser Selbsterkenntnis und eigener hart gewonnen Lebenserfahrung. Oder so.

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