Flucht und Migration – Einleitung in ein Herzensthema

Bereits viele Jahre setze ich mich mit dem Thema “Flucht und Migration” auseinander. Das erste Mal beruflich in Berührung mit der Thematik kam ich 2014 während eines Vorpraktikums in einer Kinder- und Jugendarbeit. Dort besuchten wir regelmässig mit Kindern der Gemeinde ein Durchgangszentrum. Wir kochten gemeinsam, assen mit Interessierten aus der Gemeinde leckere Gerichte aus aller Welt und brachten so das Thema an die Gesellschaft. Die Kinder des Durchgangszentrums brachten wir in Kontakt mit Kindern aus der Gemeinde und nutzten Nachmittage, um gemeinsam zu spielen und einander kennenzulernen. Mich berührte die Verschmelzung der Kulturen, wie wir uns mit Händen und Füssen verständigen konnten, alle mit dem gleichen Interesse an einem angenehmen Zusammenleben. Damit wuchs auch mein Interesse an der Thematik Integration. 

Interkulturelles Zusammenleben durfte ich durch meine Jahre in Tansania ebenfalls erfahren. Dort war ich diejenige, die eigentlich nicht dazu gehörte und ich lernte Migration von einer anderen Seite kennen. Das Gefühl dabei zu sein, jedoch nicht dazuzugehören, war eine Herausforderung für mich. 

Zurück in der Schweiz strebte ich rasch eine berufliche Veränderung an. Für mich ist es erstrebenswert, im Beruf etwas bewirken zu können, was mir eine Herzensangelegenheit ist. Somit stieg ich vor zwei Jahren in den Asyl- und Flüchtlingsbereich ein. Heute arbeite ich als Integrationsberaterin in einer Kollektivunterkunft mit fünfzig Asylsuchenden und Flüchtlingen. Arbeit ist für mich damit nicht mehr arbeiten im herkömmlichen Sinn, um mein Brot zu verdienen, sondern es wurde zu einer Leidenschaft.

Die Menschen aus aller Welt, die ich bisher in meinem beruflichen Alltag kennenlernen und begleiten durfte, berühren mich. Sie berühren mich mit ihrer Stärke, ihrer Willenskraft und ihrem teils verzweifelten Bedürfnis anzukommen. Anzukommen in einer neuen Welt, die sicherer ist, als die ihre. Anzukommen in einer neuen Gesellschaft, die sie eigentlich nicht willkommen heissen mag.

Ein Flüchtling ist ein Mensch, der aus seiner Heimat fliehen muss, weil sie oder er dort am eigenen Leib gefährdet ist. Oftmals ist sie oder er ein Mensch, der eigentlich seine Heimat nicht verlassen wollte, aber dazu gezwungen wurde. Sie riskieren ihr Leben manchmal jahrelang auf dem Fluchtweg für etwas, das für uns völlig selbstverständlich scheint: Sicherheit und Perspektive. Ein Flüchtling kann eine Frau oder ein Mann sein. Ein Flüchtling ist sogar oftmals noch ein Kind. 49% aller Asylanträge in der Schweiz kommen von unbegleiteten Minderjährigen. Ein Flüchtling ist ein Mensch, wie du und ich. Und doch werden sie von der Gesellschaft nicht als das gesehen, was du und ich verkörpern.

“Flüchtlinge kosten den Staat viel zu viel.”

“Flüchtlinge nehmen uns Arbeitsplätze weg.”

“Flüchtinge nehmen uns Wohnrsaum weg.”

Sind wir damit besser als andere, dass wir solche Aussagen machen dürfen? Haben wir mehr Rechte als andere, weil wir hier geboren sind? 

Nein. Wir hatten einfach nur mehr Glück.  

Wir haben das Glück, in einem sicheren Land geboren zu sein, das Staatsgelder besitzt, um Bedürftigen zu helfen. Bedürftige sind nicht automatisch eine Last. Mit nachhaltiger (Re)Integration können sie eine Gesellschaft beleben und bereichern, stärken und ausbauen. 

Kennt ihr Geflüchtete? Wohnt vielleicht jemand in eurem Quartier oder fährt mit demselben Zug jeden Morgen? Ich ermutige euch, sie wahrzunehmen als Mitbürgerinnen und Mitbürger. Grüsst sie, ein Lächeln kann den Tag verschönern und gibt ein warmes Gefühl der Zugehörigkeit. Seid aufmerksam, wenn sie in alltäglichen Belangen eure Hilfe brauchen. Fahrpläne lesen, das richtige Perron finden, Ticket kaufen, Einkaufen in unseren überfüllten Lebensmittelläden, die Adresse des neuen Hausarztes finden, die neue Kita des Kindes mit Verspätung früh morgens doch noch erreichen… Dutzende weitere für uns kleine Angelegenheiten stellen zu Beginn in einer neuen Welt oftmals die grössten Herausforderungen dar.

Für mich ist es ein Anliegen, euch diese Thematik in meinem Blog näher zu bringen.

Damit Menschen nicht vergessen gehen, die uns besonders brauchen!

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